Première

Am Freitag, den 20.10.2017, um 20 Uhr, zeigte der Rurauen-Theater-Verein das neue Stück "Drei Damen und ein toter Kater" von Erich Koch zum ersten Mal der Öffentlichkeit. Monatelang hatte man auf diese Premiere hingearbeitet. Weitere Aufführungen waren am Samstag, den 21.10., um 19 Uhr und am Sonntag, den 22.10., um 15 Uhr.

Nach einer kurzen Begrüßung und Einleitung in die Thematik des Stückes durch die Regisseurin Melanie Thönnißen mischt sich der Butler Herbert Senfei unters Publikum und erklärt, warum er es als Butler der drei älteren Damen nicht immer ganz leicht hat, nicht nur, weil er sich dauernd den Zudringlichkeiten der Schwestern zur Wehr setzen muss.
10 Jahre arbeitet er schon auf Schloss Orsbeck und dient den "Dämlichkeiten", den Schwestern Schnabel. Da ist zunächst Miriam, etwas verliebt in den Butler, aber noch Jungfrau, glaubt sie. Lioba ist mannstoll und trinkt sich gern einen Whisky. Dann allerdings muss man sich "vor ihren wogenden Brüsten" in acht nehmen. Isolde ist der schwierigste Fall. Sie hört schwer, sieht nicht gut und hat einen Katzentick. Ihr überschwerer Kater ist zwar vor 2 Monaten gestorben, aber sie tut immer noch so, als lebe er. Sie spricht sogar mit ihm.
Ein Zimmer des Schlosses vermieten die Damen immer an einen jungen Mann, nicht weil sie es nötig hätten, nein, es ist eine "Inspiration und Erinnerung an Dinge, die sie verpasst haben".
Und dann treibt sich da noch eine junge Dame herum, Ludmilla, von der man nicht genau weiß, was sie vorhat. Angeblich kommt sie auf das Schloss, um die drei Damen zu pflegen.

Nach dieser Einleitung beginnt das Stück. Butler Herbertus genießt das Leben während die drei Damen auf der Beerdigung ihres ehemaligen Untermieters sind, der plötzlich verstorben ist. Ludmilla Haberstroh, verwitwete Pflegerin eines Pflegedienstes, tritt ein und fragt nach den Damen Schnabel. Sie hat ein fahrbares Altersheim, wie der Butler meint. Die Damen könnten schon eine gewisse Pflege gebrauchen.
Da die Damen aber nicht zu Hause sind, verabschiedet sich Ludmilla und auch der Butler tritt ab. Ludmilla hatte aber die Tür nur angelehnt und kommt noch einmal zurück. Sie sucht etwas. Doch da kommen auch die 3 Damen schon wieder zurück. Schnell versteckt sie sich im Schrank.

"Es war eine schöne Beerdigung!" Da sind sich die Damen einig, denn "die Vögel haben gezwitschert und auch der Pfarrer hatte einen gezwitschert!" Leider gab es keinen Leichenschmaus, so dass sie den Kaffee zu Hause trinken. Dabei entwickelt sich ein schwieriges Gespräch, weil Isolde schlecht hört und immer alles missversteht. Lioba meint: "Herr, du hast uns eine schwere Prüfung geschickt. Wir lieben unsere Schwester. Aber wenn Du sie lieber magst, nimm sie zu Dir."




Isolde ruft ihren (toten) Kater "Gastävchen", tut so, als würde er auf ihren Schoß springen und sie streichelt ihn.
Sie sprechen über den attraktiven Untermieter. Warum ist er nur so plötzlich verstorben? Miriam meint, weil Lioba ihm schon nach 2 Wochen einen Heiratsantrag gemacht hat. Lioba aber wirft Miriam vor, ihm einen Liebesbrief unter das Kopfkissen gelegt zu haben.

So unterhalten sich die Damen beim Kaffee über die Männer und über das, was für sie bei Frauen zählt. Es sind nämlich 4 Dinge, meint Lioba: Gesicht, Busen und Po! Und das Vierte: Mitgift!!!
Isolde, die von all dem nichts versteht, sucht wieder ihren Kater. Vielleicht ist er wieder im Schrank. Sie öffnet ihn und die dort versteckte Ludmilla tut so, als würde sie ihr den "Gustävle" übergeben und miaut dazu. Darauf bemerkt Lioba: "Jetzt miaut der tote Kater auch noch!"

Der Butler erscheint nach dem ersten Ausschlafen seines Whisky-Rausches wieder auf der Bühne und Miriam zeigt ihm unmissverständlich ihre Zuneigung. Wieder versucht der Butler, sich dem zu entziehen, denn "natürlich kann er als Butler kein Verhältnis mit der Herrschaft eingehen, denn dann bekommt er für die gleiche Arbeit keinen Lohn mehr".
Nachdem dann aber alle die Bühne verlassen haben, kann Ludmilla endlich fliehen. Sie reißt die Tür auf und wird von Albert Storch, dem neuen Untermieter, förmlich überrannt und zu Boden gerissen. Mitten auf der Bühne liegen sie aufeinander, sie unten, er oben! Nachdem sie sich etwas erholt hat, verlässt sie die Bühne und Isolde erscheint. Eine Verständigung ist schwierig, da Isolde Albert missversteht. Albert sagt: "Ich werde hier wohl etwas berichtigen müssen." Aber Isolde antwortet: "Natürlich darfst du mich küssen!" Und schon fällt sie über ihn her und küsst ihn leidenschaftlich, bis sie rücklings auf die Couch fallen.

Alberts immerwährendes Beteuern "Ich bin doch nur der Untermieter!" wird nicht gehört.

Am nächsten Morgen ist Isolde als erste wach. Ihr Auftritt beginnt im Publikum vor der Bühne. Gerne lässt sie sich in Begleitung eines jungen Mannes (Zuschauer) auf die Bühne begleiten und führt den leeren Katzenwagen mit sich. Wo mag das Gustävle wohl sein? Den ganzen Morgen war er noch nicht da.

Albert sitzt schon am Frühstückstisch und liest Zeitung.

Nach und nach erscheinen die Damen, alle im Morgenmantel und mit einer dezenten Gesichtsmaske. Butler Herbert bedient die Herrschaften. Alle bemühen sich um den neuen Untermieter und Miriam und Lioba füttern und schmeicheln ihn von links und rechts.

Isolade und Miriam fühlen sich so frei wie Vögel. Folglich meinen sie, fliegen zu können.



Doch dann erscheint wieder Ludmilla, dieses Mal in Begleitung von Isidor, dem schwerhörigen Bräutigam von Ludmilla. Schnell merkt man, wer "hier die Hosen anhat". Irgendwo muss doch der verstorbene Untermieter das Geld versteckt haben! Ludmilla beautragt Isidor, nach dem Geld zu suchen. Sie selbst findet einmal 100 €, dann 20 €, er aber bemüht sich erst gar nicht. Schließlich sperrt sie ihn in den Schrank. Das Versteck kennt sie ja bereits. Aber auch Albert führt ein aufklärendes Gespräch mit Ludmilla.

Isolde trifft Isidor im Wohnzimmer an. Da beide schwerhörig sind, können sie einander nicht verstehen, doch auf Grund dieser Missverständnisse lernen sie sich lieben. Kurz entschlossen beschließen sie, dass Isidor bei ihnen einzieht. Er geht und packt seine Sachen. Doch wie bringt Isolde dies den Schwestern bei?

Zwischenzeitlich lernt Miriam auch ihren Butler Herbert näher kennen und verliebt sich in ihn.

Albert wird fündig. Er findet nach langem Suchen tatsächlich die 50.000 €, von der Ludmilla immer gesprochen hat, und zwar in einem hohlen Bettpfosten. Jetzt gibt er sich zu erkennen. Nur zum Schein hat er sich als Untermieter im Schloss einquartiert. Er ist Versicherungsvertreter und untersucht den Tod des Vormieters. Beim Geld lag auch noch ein Abschiedsbrief, aus dem hervorgeht, dass er unheilbar erkrankt ist und aus diesem Grund das Geld Lioba vermacht, die sich um ihn so sehr bemüht hat. Außerdem hat er noch eine Lebensversicherung über 1 Miilion Euro abgeschlossen, die er seiner Schwester Ludmilla vermacht hat. Spontan gibt die überglückliche Ludmilla die gefundenen 120,- € an die Schwestern zurück.


Miriam hatte ihren Herbert, Isolde den Isidor, aber was war mit Lioba? So ein Zufall! Unser Versicherungsvertreter Albert hat einen heiratswilligen, noch rüstigen Vater, Kasimir Storch. Er war der richtige für Lioba. Sie sahen sich und verliebten sich sofort ineinander.

Das Stück ist aus, es gab viel Applaus und viel Gelächter, was natürlich bei den vielen Missverständnissen vorprogrammiert war. Aber auch die Zuordnung bestimmter Personen zu den "Oberstädtern", "Unterstädtern" oder die umliegenden Dörfer führte immer wieder zu "Aha"-Erlebnissen. "Die sind halt so!"

Auch das Ambiente mit offenem Kamin, Standuhr und antikem Mobiliar hob den mondänen, vornehmen Charakter des Wohnumfeldes der 3 Schwestern hervor.

Die Regisseurin Melanie Thönnißen stellte alle Mitwirkenden zum Schluss vor. Sie bat auch die hinter der Bühne Tätigen noch einmal, ins Rampenlicht zu treten.

Erleichtert über diesen großen Erfolg gönnte man sich anschließend ein Gläschen Sekt!

Personen   Darsteller
Lioba hört gut und will mit Gewalt einen Mann Monika Matzerath
Albert Storch der neue, undurchsichtige Untermieter Thomas Steinbusch
Isidor schwerhöriger Bräutigam von Ludmilla Bert Wientgen
Isolde hört schwer und liebt alle Ruth Wientgen
Herbert hat es als Butler nicht leicht Michael Staschewski
Ludmilla Pflegerin, auf der Suche nach Geld Eva Schaum
Miriam liebt heimlich den Butler Melanie Thönnißen
Kasimir Storch Vater von Albert Hans Stolingwa
Regie: Melanie Thönnißen
Souffleuse: Judith Steinbusch
Bühne/Requisite: Hans Stolingwa
Kostüme/Requisite: Gisela Gatzweiler
Maske/Hairstyling: Frisörsalon Haargenau, Inhaber Margot Reiners, Wassenberg
Bewirtung: UKV Orsbeck-Luchtenberg